Heute schreibe ich einen Beitrag, der einem nicht so einfach „aus der Feder fließt“. Der vielleicht bedeutendste Spieler, der jemals für unseren heutigen TTC Halle an den Tisch gegangen ist, hört auf.
Mit Franks Abschied endet ein Kapitel Vereinsgeschichte, das weit vor der Gründung des TTC Halle begann – nämlich in den Zeiten von Dynamo Halle-Mitte, später PSV Halle, und schließlich unserem heutigen Verein.
Dynamo – der damals wohl spielstärkste Verein des damaligen Bezirkes Halle – Garant für ein unaufhörliches Produzieren von hoffnungsvollen Nachwuchsspielern – hatte das Glück, dass Frank Reimer in die damalige Boleslaw Bierut Schule ging, und unser Verein die dortige Turnhalle nutzte.
Was in den 1980er-Jahren unter Wolfgang Creuzmann zunächst vielversprechend begann, entwickelte sich schon bald zu einer außergewöhnlichen Karriere. Früh war zu erkennen, dass hier ein Spieler heranwuchs, der mehr mitbrachte als Talent allein: Ehrgeiz, Ballgefühl und die Bereitschaft, sich immer weiterzuentwickeln. Wer in den 1980er-Jahren im Tischtennis der DDR bis in die höchste Jugendspielklasse, die „DDR Sonderklasse“ vorstieß, gehörte zur absoluten Leistungsspitze seiner Altersklasse.

Die Konkurrenz war groß, das System leistungsorientiert, und gerade im Bezirk Halle wurde auf hohem Niveau gespielt.
Dass Frank Reimer diesen Weg schaffte, war kein Zufall. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Ballgefühl, seine Dynamik am Tisch und sein kompromisslos offensives Spiel. Während andere noch schoben, zog Frank bereits durch.

Der Tag, an dem sich die Vereinsordnung änderte
Eine der großen Geschichten unserer Historie stammt aus den damaligen Vereinsmeisterschaften von Dynamo. Im Finale traf der aufstrebende Nachwuchsspieler Frank Reimer auf den bis dahin nahezu unantastbaren Vereinsgiganten Frank Coiffier.
Bis dahin galt im Verein eine unausgesprochene Regel: Die erste Mannschaft war das Reich der Etablierten.
Dann kam das Finale und Frank gewann. Und mit diesem Sieg gewann nicht nur ein junger Spieler ein Turnier. Es war ein sportlicher Machtwechsel. Totenstille in der Turnhalle und allen war klar – nichts ist mehr so, wie es mal war.
Oberliga 1997 – Halle mischt oben mit
Ein weiterer Höhepunkt folgte nach der Wende. In einer starken Besetzung mit Frank Reimer, den Sportschulspielern Christian Müller und Oliver Gamm, sowie dem ungarischen Spitzenspieler András Benák gelang dem Verein 1997 der Sprung in die Oberliga – damals eine herausragende Leistung.

Nach dieser Ära wurden im Verein „kleinere Brötchen gebacken“ – Verbandsliga war das Maß der Dinge – bis im Jahr 2008 eine großteils wieder aus eigenen „Gewächsen“ geformte Mannschaft von sich reden machte – mit Unterstützung von Vereinslegende Thomas Hoffmann, wurde der Landesmeistertitel 2008/2009 erreicht.

Immer offensiv – sportlich wie menschlich
Ich blicke auf unvergessliche Szenen und Erlebnisse zurück bspw. im Punktspiel gegen Eisdorf – Frank gegen Volker Jänsch. Auf der einen Seite mit Volker eine wild anrennende, vor Energie überschäumende Woge aus Schnelligkeit, Topspin, Schüssen und Gebrüll.
Auf der anderen Seite Frank am Tisch mit stoischer Ruhe und jeden dieser Bälle Volkers parierend. Bis Volker irgendwann entnervt zu mir schrie: „Ich mache den Punkt einfach nicht!“
Aber auch Episoden am Rande – wie bei der in Empfangnahme unserer neuen Trikots mit Werbung der Marke „Rasant“ unter der für jeden von uns auch der eigene Vorname stand.
Frank nahm das Dress, schaute drauf und fragte verwundert: “ Wer ist eigentlich Frank Rasant?“
Die Liste von Erlebnissen und Episoden ist lang…
Abschied – und zugleich Hoffnung
Frank hat uns – dem Verein – immer die Treue gehalten.
Sein Abschied fällt in eine Zeit, in der der Verein, nach Jahren des sportlichen Aderlasses, nach vielen Abgängen starker Spieler und nach schwierigen Phasen im Nachwuchsbereich, wieder vorsichtig nach vorn blickt.
Gerade jetzt zeigt sich zaghafte Hoffnung: Wieder sind einige talentierte Jugendliche in der Halle zu sehen.
Mit Henry, Oleksander und Bennet reifen im Stillen junge Spieler heran, von denen man gewiss noch hören wird.
Vielleicht ist auch das ein schönes Zeichen: Während eine große Laufbahn endet, beginnt im Hintergrund vielleicht schon das nächste vielversprechende Kapitel. Die Zeit wird es zeigen.
Mit Frank Reimer verabschiedet sich nicht nur ein starker Spieler, sondern ein Stück Vereins-DNA.
Er hat Generationen erlebt – von Dynamo Halle-Mitte über PSV Halle bis zum heutigen TTC Halle. Er hat Siege gefeiert, Wandel begleitet, junge Spieler inspiriert und gezeigt, was Vereinstreue bedeutet. Mit Frank hört für mich nicht nur ein Spieler auf, sondern es geht ein Stück gemeinsame Zeit, Erinnerungen, Fahrten zu Auswärtsspielen, gemeinsame Doppel, Hallengeruch am Sonntagmorgen, Siege, Niederlagen, Gespräche nach dem Training – eben „Vereinsleben“.
Danke für alles, Frank sei Dir sicher: Du gehst – aber die Tür bleibt offen!
Phantastischer Artikel. Wigald.